RESILIENZ

#Entwicklung  #soziale Beziehungen  #Langfristigkeit

Prof. Dr. Caroline Heim, PhD
Queensland University of Technology

Dr. Christian Heim, PhD, FRANZCP
University of Queensland

Einführung

Mein Name ist Caroline Heim und ich arbeite an der Queensland University of Technology im schönen und sonnigen Australien. In meinem früheren Leben war ich Schauspielerin an verschiedenen Theatern in New York City und anderen großen US-amerikanischen Städten.    

Mein Name ist Christian Heim und wie Sie vermutlich wissen bin ich Psychiater und klinischer Leiter der Tasmanian Mental Health Services. Auch ich habe eine Verbindung zur University of Queensland. In meinem früheren Leben war ich klassischer Musiker und Dozent für Musik.  

Caroline: Wir möchten gemeinsam einen Vortrag über Resilienz halten, um Ihre und auch die Widerstandsfähigkeit der Studierenden zu optimieren. Wir bauen gemeinsam Resilienz auf. Alle Informationen aus diesem Vortrag und dem Workshop stammen aus unserem Buch Resilient Relationships. Um die psychische Gesundheit unserer Studierenden zu fördern bringen wir überdies unsere Erfahrungen als darstellende Künstler und Universitätsdozenten ein.  

Schwerpunkt dieser Impuls-Veranstaltung wird Ihr Erleben von Resilienz im Workshop sein, der auf diesen Vortrag folgt. Im Workshop werden praktische Übungen zur Verinnerlichung von Resilienz durchgeführt. Auch Shakespeare wird eine Rolle spielen, wir werden dabei ein bisschen herumalbern und Spaß haben. Aber zuerst die Theorie, bevor wir uns mit der Umsetzung befassen. Das Denken vor dem Handeln bzw. die Ruhe vor dem Sturm. Und für den theoretischen Teil übergebe ich nun an Christian.

Präsentation

Christian: Danke Caroline. Dieser Vortrag soll uns helfen Resilienz zu verstehen. Was wir über persönliche Stärke und emotionale Intelligenz in den beiden vorangegangenen Beiträgen gehört haben, lässt sich sehr gut mit dem verbinden, was wir hier tun. Meine Aufgabe ist es, auf der Basis der umfangreichen wissenschaftlichen Erkenntnisse über Resilienz sowie meiner klinischen Erfahrung im Umgang mit psychischen Problemen Ihnen einen Überblick zu verschaffen, damit Sie einige daraus folgende praktische Ideen in Ihren Vorträgen und Seminaren umsetzen können.    

Resilienz kann nicht gelehrt werden. Aber sie kann durch »gemeinsame Erlebnisse« gestärkt werden. Fragen wie: Werde ich es schaffen? Habe ich die nötigen Voraussetzungen? Werden sie die Prüfungen dieses Jahr bestehen? Alles dies betrifft Aspekte von Resilienz und Sie haben vermutlich bereits Kenntnisse zum ›wissenschaftlichen‹ Hintergrund. Die ›Wissenschaft‹ sagt, dass man über gute Bewältigungsstrategien verfügen muss, um resilient zu sein. Man muss seine Emotionen regulieren können und optimistisch sein. Das ist sehr wichtig. Überdies gilt es flexibel zu sein, positiv zu denken und man braucht die Unterstützung von Familie und Freunden. Und dann denkt man sich: »Okay, ich versuche jetzt optimistisch und flexibel zu sein.« Das gelingt dann unter Umständen nicht und man fühlt sich noch schlechter und niedergeschlagen. »Ich werde nie resilient sein, ich schaffe es nicht. Und wir scheitern alle darin!«

Wissen ist nicht genug. Es ist, als würde man ein Kochbuch lesen und erwarten, dann auch ein guter Koch zu sein. Kochen muss aber geübt werden, um gut darin zu werden. Und es ist letztlich die Erfahrung des Essens, durch die man seine Fähigkeiten diesbezüglich verfeinert und auch das Teilen dieser Erfahrung mit anderen Menschen.  

Heute werden wir uns mit vier Fragen befassen: 

  1. Was ist Resilienz? 
  2. Was passiert im Gehirn, um uns resilienter zu machen? 
  3. Warum ist ein auf Langfristigkeit ausgerichteter Fokus besser, als nur auf das kurzfristige Vergnügen zu schauen?   
  4. Warum sind Beziehungen wichtig?

Ich werde Ihnen zwei Botschaften mit auf den Weg geben:   

  1. Resilienz hängt stark von Beziehungen ab. Und falls Sie das hier verschlafen, weil Ihr Blutdruck nach dem Mittagessen niedrig ist, denken Sie daran daran, Ihre Beziehungen zu pflegen. Wenn Sie schon längst jemanden hätten anrufen müssen, wenn es jemanden gibt, mit dem Sie nicht zurechtkommen, obwohl Sie das eigentlich müssten, wenn Sie diese eine Freundschaft vertiefen möchten, dann tun Sie es. Das ist es, worum es im Leben geht. Es ist ein ›Erleben von Gemeinsamkeit‹.
  2. Langfristige Zufriedenheit führt zu Resilienz, kurzfristige Zufriedenheit dagegen nicht. Es ist letztlich das ›Erleben von Gemeinsamkeit‹, das den Aufbau von Resilienz möglich macht.

An diesem Punkt begann ich einen sich wiederholenden Rhythmus zu klatschen und schließlich klatschten alle mit.  

Warum haben Sie mitgeklatscht? Weil ich Sie eingeladen habe, mit mir ein bisschen Musik zu machen. Klatschen ist die einfachste Form von Musik, aber es ist ein ›Erleben von Gemeinschaft‹. Und weil wir soziale Wesen sind, wie Sara bereits erwähnt hat. Wir erleben gerne Dinge in der Gemeinschaft, aber wir leben in einer Gesellschaft, in der uns diese ›gemeinsamen Erlebnisse‹ abhanden kommen. 

Wenden wir uns der ersten Frage zu. Was ist Resilienz? 

Wir schreiben das Jahr 1850 und befinden uns vor der Küste Nordenglands. In diesem Jahr sind 784 Menschen aufgrund von Stürmen und Unwettern gestorben. Also verkündet der Duke of Northumberland, dass er einen Wettbewerb für den Bau eines Bootes veranstalten würde, welches angesichts der Naturgewalten größere Sicherheit böte. James Bleacher gewann den Wettbewerb. Er sagte, er habe einen Entwurf für ein Boot, welches sich auch bei stärkstem Wellengang von selbst immer wieder aufrichten würde. Dies ist eine sehr treffende Metapher für die uns eigene Resilienz.

Psychologische Resilienz ist die Fähigkeit wieder aufzustehen, wenn wir extremem Stress ausgesetzt waren. Es gibt verschiedene Definitionen von Resilienz, ich möchte hier jedoch jene verwenden, die von der Annahme ausgeht, dass es sich um einen Prozess handelt. Sie ist kein Teil der Persönlichkeit oder des Charakters und sie hat auch eindeutig nichts mit Stoizismus zu tun. Stoizismus bedeutet, dass man die Zähne zusammenbeißt, alles gleichmütig erträgt, aber auch wie eine Eiche im Sturm umfallen kann. Resilienz gleicht eher einer Weide, die sich im Wind biegt, aber auch wieder aufrichtet. Resilienz ist ein dynamischer Prozess, der im Leben eine zentrale Rolle einnimmt. Es ist eine Haltung und eine Herangehensweise, die es uns ermöglicht, in einer belastenden Situation unser Wohlbefinden aufrechtzuerhalten.   

Wie lässt sich Resilienz jedoch messen? Nun, wir können sie nicht direkt messen. Wir können sie lediglich aus der Funktion ableiten. In einer Gesellschaft, in der nachweislich immer mehr Menschen mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, ist Resilienz offenkundig nicht ausrichend vorhanden. In unserem Buch messen wir Resilienz anhand der Reaktion von Paaren auf Stress in ihrer Beziehung.   

Wie viele befinden sich unter Ihnen in einer Langzeitbeziehung? Viele heben die Hand. Wenn Sie sich wünschen, dass diese Beziehung 40 Jahre oder länger hält, lassen Sie die Hand oben. Viele Hände bleiben oben. Nun stellt sich die Frage, ob eine Beziehung so belastbar ist, dass sie für mehr als 40 Jahre halten kann. Nicht für jeden lautet die Antwort ›ja‹. Die Aufrechterhaltung der Beziehung erfordert eine gewisse Anstrengung. Wir messen Resilienz anhand der Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress. 

Wir messen Resilienz daran, wie unsere Studierenden mit Stress umgehen. Welchen Formen von Stress sind die Studierenden ausgesetzt? Ein Blick auf unsere Gesellschaft ist aufschlussreich. Eigentlich ist es die beste Zeit im Leben. Aber sie stehen unter enormem Stress. Als Psychiater sehe ich viele Studierende, die ins Schwimmen geraten, weil sie nicht länger Struktur und Führung erfahren, sondern Strukturlosigkeit und Chaos. Sie müssen die Motivation aus sich selbst schöpfen, um etwas zu tun, um überhaupt ein Seminar zu besuchen, um der Erwartung zu entsprechen, sich das erforderliche Wissen anzueignen. Und sie müssen nicht zuletzt auch selbst dafür sorgen, dass sie Erfolgserlebnisse haben, wozu auch das Bestehen von Prüfungen gehört. Sie müssen mit all dem zurechtkommen und gleichzeitig versuchen herauszufinden, welche Identität sie haben, wer sie sind und wo sie in der Welt ihren Platz finden möchten. 

Und das ist nicht leicht, vor allem in einer Gesellschaft, deren Fokus auf das ‚kurzfristige Vergnügen‘ ausgerichtet ist. Unsere Gesellschaft ist nicht auf langfristige Zufriedenheit ausgelegt, denn das würde bedeuten, dass wesentlich weniger Geld ausgegeben würde. Wenn wir nach einem kurzfristigen Vergnügen suchen (wir wissen alle wie das geht), dann geben wir auch mehr Geld aus. Dies ist jedoch der Resilienz nicht zuträglich. 

Das ist die Paradoxie von Resilienz: Bei zu viel Stress würden wir alle zusammenbrechen. Sehr viel Stress erhöht nicht die Resilienz. Auch sehr wenig Stress führt nicht zu einem Aufbau von Resilienz. Xavier hat ja bereits erwähnt, dass im Prinzip immer Zuckerbrot und Peitsche notwendig sind. Manchmal braucht man die Herausforderung bzw. muss Hindernisse überwinden können. Studien zeigen, dass die Bewältigung kleinerer Herausforderungen dabei helfen kann auch größere Probleme zu lösen. Unsere Gesellschaft ist tendenziell darauf ausgelegt, uns vor Stress zu bewahren, was tatsächlich den Stressfaktor erhöht. Wir brauchen Stress. Durch eine mittlere Stressbelastung wird man resilienter.  

Das führt uns zur zweiten Frage. Was bewirkt Resilienz im Gehirn? Was tut das Gehirn, um widerstandsfähiger zu werden?

Hier kommen zwei Aspekte ins Spiel: Zum einen durchläuft das Gehirn von der Kindheit und Jugend bis zum Erwachsenenalter einen Entwicklungsprozess. Und zum anderen finden im Gehirn neurochemische Veränderungen statt, die zum Aufbau von Resilienz beitragen. 

Kinder sind per definitionem Personen, die Eltern brauchen. Sonst wären sie nicht überlebensfähig. Das kindliche Gehirn benötigt bestimmte emotionale Inputs, um sich gesund entwickeln zu können. Im Rahmen einer Studie wurden alle Bedürfnisse von Kindern definiert, die für eine ideale Entwicklung erforderlich sind. Kinder brauchen Eltern, die ihre Gefühle anerkennen, die ihnen ein Gefühl von Geborgenheit geben und die ihnen zur Seite stehen. Sie brauchen eine Gemeinschaft aus Erwachsenen, die sich für sie interessieren. Ein Kind muss sich als Teil der Geschichte empfinden. Es muss sich in der Schule zugehörig fühlen können und Freunde haben. Auf dieser Basis kann das Gehirn Resilienz entwickeln.

Jetzt denken Sie vielleicht: Diese Bedürfnisse habe ich nicht alle erfüllt bekommen. Nun, auch ich habe das nicht alles bekommen, Caroline auch nicht. Aber die gute Nachricht ist: Es ist normal resilient zu sein. Es ist normal zu überleben. Wenn Sie das Alter überschritten haben, in dem Sie alle sind, haben Sie Ihre Eltern überlebt. Für einige unter Ihnen dürfte das wirklich schwierig gewesen sein. Für einige von uns klingt das wie: »Na und, was soll’s.« Aber die vorhandene Resilienz ist erstaunlich.  

Wie lässt sich dies jedoch in Ihre Vorlesungen und Seminare übertragen? Dort erfüllen Sie die Funktion von Mentoren und nicht von Eltern. Als Mentor können Sie einige dieser Aspekte praktisch umsetzen. Sie können in den Studierendengruppen Routinen schaffen, ein Zugehörigkeitsgefühl kreieren, den Studierenden zur Seite stehen und ihre Gefühle anerkennen. Wenn die Studierenden derlei Erfahrungen aus ihrer Kindheit nicht kennen, können Sie in gewisser Weise als Korrektiv agieren und ihre Resilienz etwas stärken. Wir haben das in den Seminaren von Caroline umgesetzt und es hat sich als äußerst wirkungsvoll erwiesen.       

Was geht während der Adoleszenz im Gehirn vor sich? Ein vierjähriges Kind reagiert mit einem Wutanfall und wirft sich auf den Boden, wenn es Emotionen wie Wut oder Frustration empfindet. Das heißt beim Kleinkind münden die Gefühle direkt und ohne Zwischenschritt in ein bestimmtes Verhalten. Das Gehirn des Jugendlichen erkennt, dass das für den Rest des Lebens wenig zielführend ist. Es kappt daher die Verbindung zwischen dem Areal für Emotionen und dem für Handlungen und stärkt stattdessen die Verbindungen zwischen dem Areal für Emotionen, dem limbischen System und dem Frontalhirn, dem Bereich für das Denken. Auf diese Weise wird die Entwicklung zum erwachsenen Menschen möglich.

Angesichts des Umstandes, dass wir als Erwachsene mitunter auch noch Wutausbrüche haben, wäre es eigentlich ideal, wenn wir vom Fühlen direkt ins Denken übergehen würden. Wenn wir emotional intelligent reagieren, dann stellen wir uns Fragen wie: Was fühle ich? Wie möchte ich darauf reagieren? Welches Verhalten ist der Situation zuträglich und was sollte ich vermeiden, da ich schon lange weiß, dass es für mich nicht funktioniert?

In Rahmen Ihrer Vorlesungen und Seminare haben Sie es mit jungen Erwachsenen zu tun, deren Adoleszenzphase noch nicht lange zurückliegt. In dieser Zeit sollten Sie eine auf Emotionen zielende Sprache verwenden, um das Kindliche in ihnen anzuerkennen: »Wie fühlst du dich damit? Fühlst du dich hier im Seminarraum wohl? Wie empfindest du die Teilnahme an diesem Seminar?« Wenn die Studierenden jedoch Probleme lösen und vorankommen sollen, wechseln Sie zu einer Sprache, die das Denken anspricht: »Was glaubst, wie ich dir hier helfen kann? Was meinst du, musst du tun, um die Qualität deiner Essays zu verbessern? Glaubst du, dass dies der richtige Weg für dich ist?« Durch die Anregung des Denkens können sie eine stärkere Resilienz entwickeln.   

Als Erwachsene brauchen wir auch Sicherheit. Beziehungen zu einem geliebten Lebenspartner, zu Eltern, Kindern, Freunden, Kollegen oder auch dem öffentlichen Umfeld geben uns diese Sicherheit. Wir sollten die Menschen um uns herum wertschätzen, da sie maßgeblich sind für unsere Resilienz. Umgekehrt stärken auch Sie die Resilienz der Menschen um Sie herum. Alleine durch Ihre Präsenz können die Menschen aus ihrer unmittelbaren Umgebung Resilienz beziehen. 

In Vorlesungen und Seminaren werden auch Beziehungen geknüpft. Es geht nicht nur ums Lernen. Wir nehmen Informationen auf, bewegen uns auf ein Ziel zu, zugleich bilden wir aber eine Gemeinschaft. Eine gemeinsame Mahlzeit verfestigt diese Beziehungen. Es geht hier um weit mehr als Design oder Vortragstechniken, das Leben ist so viel mehr als das. Es ist ein Aspekt des Erwachsenseins und des Zusammenseins, denn das ‚Erleben von Gemeinschaft‘ dient, wie bereits erwähnt, dem Aufbau von Beziehungen.

Das führt uns zur dritten Frage: »Warum ist es wichtig, auf langfristige Zufriedenheit statt auf kurzfristiges Vergnügen zu setzen?«

Die Antwort ist, weil sie Teil der Definition von Resilienz ist: Wenn wir Stress empfinden, wollen wir ihn überwinden und uns aufrappeln. Um morgen hier sein zu können, muss ich heute eine gewisse Resilienz haben. Der Fokus ist auf die Zukunft gerichtet, denn wir wollen nicht nur morgen, sondern noch viele weitere Tage danach hier sein. Das Gehirn ist ein auf die Zukunft ausgerichtetes Organ. Es lernt durch positive und negative Erfahrungen und sucht entsprechend nach Optimierungen für die Zukunft. Durch eine kleine Veränderung der Umgebung oder des Verhaltens wird das Überleben und Wohlergehen sichergestellt. Wir müssen einen Vergleich anstellen und uns fragen: Wie ging es mir letzte Woche? Habe ich als Mensch einen Fortschritt gemacht? Geht es mir jetzt etwas besser?  Die Antwort lautet manchmal ja und manchmal nein. Der Blick bleibt aber immer auf die Zukunft ausgerichtet.  

Nun könnte man natürlich einwenden, dass das Motto ›Erst die Arbeit, dann der Spaß‹ wenig Spaß macht. Wer möchte schon auf seine Belohnung warten … Wir haben schließlich verinnerlicht, dass wir Spaß haben wollen. Die gute Nachricht ist aber: Sie dürfen Spaß haben, solange sie das Vergnügen mit einem Zweck verbinden. Wenn man sich für etwas belohnen kann, was man getan hat, fühlt sich das besser an. Der Blick ist dann in die Zukunft gerichtet. Wir hatten hier letzte Woche das Oktoberfest. Wer von Ihnen trinkt gerne ein Bier? Oder lieber Wein? Wenn man Freitagsabend mit Freunden ein Glas Wein oder Bier trinkt, fühlt sich das nach einer Woche voller Arbeit gut an. Dann kann man sagen »das war eine harte Woche, nicht wahr Leute?« Sie wissen, es ist gut so und jetzt kann man Spaß haben.

Stellen Sie sich vor, dass jemand bei einem Meeting in einem Unternehmen am Montagmorgen sagt »Wir gehen jetzt erstmal in die Bar hier vor Ort und trinken ein Bier oder Wein.« An einem Montagmorgen? Nicht nur, dass es zu früh ist, aber Sie haben noch nichts getan, um es zu verdienen und dann schmeckt es auch nicht so gut. Sie denken vielleicht: »Kann ich vielleicht erstmal ins Büro gehen und etwas arbeiten und mich dann dem Vergnügen widmen?« Die Verknüpfung von Vergnügen und Zielsetzung sorgt dafür, dass man beides haben kann. 

Der Haken ist, wir leben in einer Gesellschaft, in der der Spaß an erster Stelle steht. Und für dieses Vergnügen muss man nichts tun. Es ist heutzutage so einfach, sich kurzfristig ein Wohlgefühl zu verschaffen. Warum sollte ich arbeiten? Die Antwort ist: Um resilienter zu werden. Dies wird Ihnen tatsächlich helfen, Stress auszuhalten und sich wieder zu erholen. Diese Botschaft können Sie in Vorlesungen und Seminaren den Teilnehmenden vermitteln: Veranschaulichen Sie, wie gut es sich anfühlt, wenn man ein Examen bestanden, oder ein Essay oder Gruppenprojekt vollendet hat. Das verdient dann eine Belohnung.

Das Gehirn entwickelt Fähigkeiten aus positiven und auch negativen Erfahrungen heraus. Wenn ein Teilnehmer eines Seminars in seiner Kindheit ein Trauma erlitten hat, dann fühlen Sie sicher mit ihm, Sie sollten aber auch bedenken, dass diese Person vermutlich außergewöhnliche Fähigkeiten erworben hat. Vielleicht ist sie besonders kompetent oder kann Probleme sehr gut lösen, hat also ‚verborgene Talente‘. Studien haben ergeben, dass Menschen, die in einem chaotischen Zuhause aufgewachsen sind, besser im Multi-Tasking sind, d.h. besser zwischen verschiedenen Aufgaben hin und her wechseln können etc. Sie können das besser, weil sich ihr Gehirn angepasst hat. Es ist eine Fähigkeit. Achten Sie daher auf die ›verborgenen Talente‹ bei den Personen mit denen Sie zusammenarbeiten und bei Ihren Studierenden. 

Wenn wir darüber nachdenken, was alles erreicht werden kann, sollten wir jedoch auch realistisch bleiben. Caroline wird uns in diesem Zusammenhang nun von Josie erzählen. 

Caroline: Josie ist eine meiner Studierenden. Erinnern Sie sich noch an die verheerenden Buschbrände im Norden Australiens, wo sich auch meine Universität befindet. Josie hat bei diesen Buschbränden ihr Elternhaus verloren. Dann brach die weltweite Pandemie aus und sie musste ihr letztes Highschool-Jahr online absolvieren. Anschließend kam sie an die Universität. Während eines Lockdowns musste sie in einem kleinen Apartment wieder online studieren. Dann trat der Brisbane River über die Ufer und Josie verlor zum zweiten Mal ihr Zuhause, d.h. ihr kleines Apartment.

Als ich Josie das erste Mal begegnete, war sie sehr schüchtern, unsicher was ihre Zukunft betrifft und ausgesprochen ängstlich. Sie ist immer noch schüchtern und auch ängstlich, mit der Unterstützung von Gleichaltrigen und einigen Universitätsdozenten kommt sie jedoch mittlerweile gut zurecht. In dieser Zeit haben wir für Studierende wie Josie eine digitale Pinnwand erstellt, die wir als ›Angstwand‹ bezeichneten. Alle Studierenden wurden gebeten, hier ihre Ängste aufzuschreiben. Hunderte von Studierenden haben gepostet, welche Ängste sie haben. Ich habe eine kleine Untersuchung zu den Formen von Angst durchgeführt, die auf der Pinnwand formuliert wurden. An erster und zweiter Stelle standen die Angst vor Versagen sowie die Angst, beurteilt zu werden. Vor ein paar Wochen, also lange nach der Pandemie, habe ich dieselbe Umfrage durchgeführt und dieselben Aspekte standen im Vordergrund, d.h. die Studierenden haben Angst zu versagen und beurteilt zu werden.

Christian: Um auf die zweite Frage und das Gehirn zurückzukommen: Was passiert im Gehirn, wenn die Betroffenen Angst haben zu versagen oder beurteilt zu werden? Für Josie wurde die Universität zu ihrem Rückhalt, ein sicherer Ort. Sie wurde Teil einer Gruppe, die sie auf ihrem Weg in die Zukunft unterstützte. Sie verlor zweimal ihr Zuhause. Dass sie überhaupt noch an der Universität war, war erstaunlich. Es ist bemerkenswert, dass Josie einen ausgezeichneten Abschluss gemacht hat und nun ein Promotionsstudium absolviert. Daraus bezieht sie jedoch nicht ihre Resilienz. Es ist vielmehr der Umstand, dass sie immer noch an der Universität ist, der ihr Halt gibt. 

Um noch einmal auf die Angst zu versagen oder beurteilt zu werden zurückzukommen. Jeder von Ihnen, der schon einmal eine Vorlesung oder ein Seminar abgehalten hat, hat vielleicht schon die Angst erlebt, zu versagen oder beurteilt zu werden. Betrachten wir einmal genauer, was bei einer solchen Angst im Gehirn passiert. Bei der Vorstellung, dass Sie nun eine Vorlesung halten müssen, haben sie vielleicht ein flaues Gefühl im Magen und Ihre Hände zittern. Vielleicht verspüren Sie Panik, Herzrasen, der Mund wird trocken und all dies geschieht automatisch. 

Das hat mit dem Hypothalamus im Gehirn zu tun. Der Hypothalamus (hypo bedeutet ›unter‹) befindet sich im Bereich des Zwischenhirns. In diesem Gehirnareal werden emotionale Impulse in physische Reaktionen umgewandelt. Es ist der Bereich des Gehirns, der für unser Überleben zuständig ist und dafür, wie wir Emotionen physisch verarbeiten. Der Hypothalamus gleicht einem Dirigenten, der zur Hirnanhangdrüse, die sich direkt neben ihm befindet, sagt: »Hirnanhangdrüse, du musst ein paar Hormone produzieren, denn ich werde meinen Körper gleich ein paar Dinge tun lassen.« Die Hirnanhangdrüse stellt verschiedene chemische Komponenten her. Und der Hypothalamus sagt zu ihr: »Schicke etwas davon zu den Nebennieren, da wir in den Stressmodus übergehen.« Die Information wird an die Nieren weitergeleitet, über der sich zwei kleine Drüsen befinden, die Nebennieren. Sie erhalten ein Signal von der Hirnanhangdrüse, dass »die Kampf- und Fluchtreaktion« auslöst. Die Drüsen geben Adrenalin und Cortisol in das System ab und das spürt man dann: Das Herz beginnt zu rasen und der Atem wird flach. In diesem Moment ist man bereit zu rennen. Man zittert und hat sich nicht unter Kontrolle. All dies geschieht automatisch, da der Hypothalamus auf diese Weise das Überleben sichern will.  

Warum tut er das? Weil die Amygdala, ein mandelförmiger Kernkomplex im Gehirn, Angst erkennt bzw. das Halten einer Vorlesung als Bedrohung wahrnimmt und einen Überlebensmechanismus auslöst. Sie erzeugt daher Schmerzen, emotionale und physische Schmerzen und meldet an den Hypothalamus: »Das ist es, was getan werden muss.«

An diesem Punkt kommt Oxytocin ins Spiel. Oxytocin kennen wir zwar schon sehr lange, allerdings haben wir erst in den vergangenen fünf bis sechs Jahren begonnen herauszufinden, was es tatsächlich bewirkt. Sie kennen Oxytocin wahrscheinlich als ›Liebesdroge‹, die ›Kuscheldroge‹, die uns immer dann dieses warme Gefühl vermittelt, wenn wir jemandem vertrauen, jemanden lieben, Freundschaft empfinden, einen geschäftlichen Deal abschließen oder wenn wir uns einfach gut fühlen, weil wir Teil der menschlichen Gemeinschaft sind. Das ist dem Oxytocin zu verdanken. Und es kann noch mehr. Oxytocin wird im Hypothalamus als Reaktion auf die Aktivierung von Empathie im anterioren cingulären Gyrus (der Teil des Gehirns, den ich besonders mag, da er uns als Menschen durch Empathie verbindet) produziert. Der anteriore cinguläre Gyrus – ‚anterior‘ bedeutet Vorderseite, ›Gyrus‹ Ausbuchtung und ›cingulär‹ bedeutet, dass er wie ein Gürtel um den Corpus callosum gewickelt ist – stimuliert die Oxytocinausschüttung. Das Oxytocin meldet an den Hypothalamus »Entspanne dich … alles ist gut … denn, wenn du versagst oder beurteilt wirst, werden die Leute dich trotzdem mögen, es spielt also gar keine Rolle.« Und das passiert tatsächlich auf der körperlichen Ebene. 

Im Urin von Menschen können wir messen, ob sie früh in ihrem Leben viel Liebe und Zuwendung erfahren haben, da sie dann weniger Stresshormone wie Cortisol oder Adrenalin produzieren. Aber das ist noch nicht alles. Da Oxytocin auch mit der Amygdala kommuniziert, die emotionalen und physischen Schmerz sowie Angst und Wut auslösen kann, meldet sie an die Amygdala: »Entspanne dich … es ist egal ob wir Schmerz empfinden, denn die Leute mögen uns trotzdem. Das ist ein physische Reaktion und auch ein Wunder.«

Aber Oyxtocin kann noch mehr, so ist es für die Reinigung des Frontallappens und der gesamten weißen Substanz zuständig, die alle Neuronen miteinander verbindet, so dass die Neuronen im Gehirn besser miteinander kommunizieren können. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass man klarer denken kann. Wenn man von Menschen geliebt wird und zu ihnen eine Beziehung unterhält, fühlt sich das Leben gut an und die Stressfaktoren sind geringer, wodurch man Dinge tatsächlich auch besser durchdenken kann. 

Die Botschaft zum Mitnehmen lautet folglich, dass die Angst zu versagen oder beurteilt zu werden durch gute Beziehungen zu den Menschen in Ihrem Umfeld gemildert werden kann. Wenn Sie also jemanden anrufen oder mit jemandem reden müssen, zögern Sie nicht. 

An dieser Stelle möchte ich über jemanden sprechen, denn wir feiern … als jemand der versagt hat; der häufiger versagt hat als jeder andere. Roger Federer hat mehr als 60 Grand Slams verloren. Nicht viele Leute haben häufiger verloren als er. Ich weiß, wir erinnern uns an die, die er gewonnen hat. Aber wenn er nicht bereitwillig immer wieder gescheitert wäre, hätte er nicht gewonnen.

Die Botschaft zum Mitnehmen lautet für Sie und die Studierenden: Erfolg ist Erfolg. Scheitern ist Erfolg. Der einzige Misserfolg würde darin bestehen, es erst gar nicht versucht zu haben, denn wenn man es erst gar nicht versucht, vergibt man die Chance resilienter zu werden. 

Dies führt uns zur vierten und letzten Frage. Warum sind Beziehungen und ‚Gemeinschaftserlebnisse‘ wichtig?

Nehmen wir als Beispiel das gemeinsame Singen von Bruder Jakob. Versuchen Sie sich zu erinnern, wann Sie das letzte Mal mit anderen zusammen gesungen haben, vielleicht saßen Sie um ein Lagerfeuer herum. In der Rückschau kommen uns die Lieder vielleicht albern vor. Aber die Frage ist: Warum haben wir das alle gemacht? Weil es schön war und wir uns zusammengehörig gefühlt haben. Als Gemeinschaft. Heutzutage mag das sehr uncool erscheinen, da wir in einer individualistischen Gesellschaft leben. Aber es sind solche Erlebnisse, die für Zusammenhalt sorgen. 

Zusammengefasst: Resilienz ist die Verbindung von zwei Faktoren  

  1. Beziehungen sorgen für den Aufbau von Resilienz 
  2. Die Fähigkeit sich auf eine langfristige Zufriedenheit zu fokussieren anstatt auf kurzfristige Vergnügungen stärkt die Resilienz

Zum Abschluss möchte ich Ihnen die Geschichte von jemandem erzählen, den ich betreut habe. Ich nenne ihn hier Keith.  

Keith hat als Erwachsener mehr Zeit im Krankenhaus verbracht als außerhalb des Krankenhauses. Er litt unter schwerer Schizophrenie. Irgendwann verliebte sich Keith und war drei Jahre lang nicht im Krankenhaus; als die Beziehung jedoch zerbrach, musste er zurückkehren. Man könnte anführen, dass hier ein Placebo-Effekt im Spiel war, oder dass seine Freundin ihn bei der regelmäßigen Einnahme seiner Medikamente unterstützte etc. Das war sicherlich der Fall. Mittlerweile wissen wir aber, dass sein Gehirn auf das Oxytocin reagierte, da er in einer guten Beziehung war. Es entwickelte eine stärkere Resilienz und das Leben erschien in dieser Zeit insgesamt sinnhaftiger. Mit anderen Worten, Resilienz durch die Beziehung und der Faktor Langfristigkeit sorgten durch die Produktion von Oxytocin für eine verbesserte physische Widerstandsfähigkeit. Durch ›Gemeinschaftserlebnisse‹ kann Resilienz aufgebaut werden.

Caroline wird uns nun für ein paar solcher ›Gemeinschaftserlebnisse‹ durch einen Workshop führen. Sie wird sich mit spezifischen Problemen von Studierenden befassen und Sie werden diese Maßnahmen später mit Ihren Studierenden umsetzen können, um deren Resilienz zu stärken.

Workshop

Caroline: 
In diesem Workshop geht es um den Aufbau von Resilienz. Resilienz können wir in der Gemeinschaft stärken. Alle Übungen, die wir durchführen werden, stammen aus der Schauspielausbildung und wurden für die Resilienzthematik etwas angepasst. Ich werde mich dabei auf die theoretischen Grundlagen von Konstantin Stanislavski, Anne Bogart, Rudolf Laban und auch ein bisschen Shakespeare beziehen. Und ein bisschen Herumalbern ist auch dabei. Alle Übungen habe ich im Rahmen meines Unterrichts an der Hochschule und auch in anderen Bereichen durchgeführt. Also nicht nur am Theater und auch mit Erwachsenen. 

Der Aufbau des Workshops ist wie folgt: Wir werden alle ein Check-in und Check-out machen. Dann folgen einige Übungen und eine Einlage mit Shakespeare zwischendurch, um zu schauen, was Shakespeare uns über Resilienz sagen kann. Nach jeder Übung werde ich ein instagramähnliches Post-it hier auf dem Bildschirm einblenden. In meinen Vorlesungen verwende ich diese Post-it-Notizen regelmäßig. Und ich werden ein paar Zitate aus unserem Buch zeigen.

Check-in: Beginnen wir also mit dem Check in. 

Welche Farbe spüren Sie im Moment? Denken Sie an eine Farbe, die Sie empfinden. Nicht Blau oder Rot. Als Design-Aficionados können wir hier ein bisschen differenzierter vorgehen. Wie wäre ein leuchtendes Magenta oder die Farbe von Jeans, nachdem man sie zehn Jahre getragen hat, oder auch die Farbe des Himmels nach einem Sturm. So etwas in der Art. 

Frage: Welche Farbe spüren Sie im Moment? 

»Also ich fühle eine Mischung aus Blau und Gelb. Diese Farben sieht insbesondere gegen Mittag am Himmel. Ich liebe die Sonne und ich wünsche mir, dass die Dinge, die hier geschehen, die ganze Welt etwas heller machen.«

Wir haben alle unterschiedliche Dinge mit in diesen Workshop gebracht. Viele verschiedene Emotionen. Wir werden sie jetzt alle in einen großen Korb legen. Breiten Sie Ihre Arme aus und stellen Sie sich diesen großen Korb vor. Denken Sie nun an alle Dinge, die beim Check-in nicht angesprochen wurden: Stress, Spannungen, körperliche Schmerzen irgendwo im Körper, Beziehungsprobleme, psychische Probleme. Was auch immer es ist, das Sie draußen lassen müssen, um sich auf diesen Workshop zu konzentrieren, legen Sie es in den Korb und achten Sie darauf, dass er groß genug ist für alle Dinge, die Sie hineinwerfen wollen.

Im nächsten Schritt wird Christian mit einem großen imaginären Behältnis um Sie alle herumgehen und Sie werden dann jeweils den Inhalt Ihres Korbes, all den Stress und alle Anspannung, über die Köpfe der anderen in das große Behältnis werfen. Alles was runterfällt wird aufgehoben und in den Behälter geworfen.

Wenn das erledigt ist, kann der Behälter aus dem Weg und zur Seite geräumt werden. Er ist jetzt viel schwerer. Für die Dauer des Workshops kann er aber am Rand stehen bleiben. Nun müssen Sie noch alles Übrige abschütteln, schütteln Sie alle Rückstände aus dem Körper heraus. 

Wir sind nun bereit für unsere erste Übung.

Erste Übung

Caroline: Die erste Übung heißt: Aus dem Gleichgewicht. 

Stellen Sie sich alle hier irgendwo im Raum hin. Aus dem Gleichgewicht. Irgendwo in diesem Raum. Einfach einen Platz zum Stehen finden. 

Jetzt alle auf die Zehenspitzen stellen und dann wieder herunterkommen. Wieder auf die Zehenspitzen und runter. Und nochmal auf die Zehenspitzen und wieder runter. 

Jetzt stellen wir uns auf die Zehenspitzen, bis wir etwas aus der Balance geraten, und was passiert? Wir strecken unwillkürlich einen Fuß aus, um uns zu stabilisieren. Versuchen Sie das. Also wieder auf die Zehenspitzen. Was passiert, wenn wir uns zu einer Seite neigen? Wir fangen uns wieder. 

Nun noch ein letztes Mal auf die Zehenspitzen. Dieses Mal müssen Sie jedoch das Gleichgewicht halten, da sich vor Ihnen ein großer Abgrund befindet und Sie nicht hineinfallen wollen. Also auf die Zehenspitzen. Es ist ein tiefer Abgrund. Setzen Sie die Arme ein. Tun Sie alles, um das Gleichgewicht zu halten. Dann wieder runter kommen. 

Und wieder auf die Zehenspitzen. Dieses Mal befinden Sie sich auf einer Achterbahn, die abrupt anhält. Wenn Sie sich nach vorne lehnen, stürzen Sie ab. Also so gut wie es geht das Gleichgewicht halten. Und wieder runter. Schütteln Sie die Glieder etwas aus und nehmen Sie bitte wieder Platz. 

 Das ist unsere Post-it-Notiz für diese Übung: Ist das der richtige Schritt?

Und nun möchte ich Ihnen ein Zitat aus unserem Buch über ein Ehepaar vortragen. Es sind Laura und Russell aus den USA, die seit vielen Jahren verheiratet sind. Sie sind beide Akademiker, sie suchen gemeinsam das Abenteuer, tun Dinge vor denen man gewöhnlich Angst hat. Laura berichtet: »Er hilft mir Dinge zu tun vor denen ich mich fürchte. Und wenn ich es dann hinter mir habe, überkommt mich dieses Glücksgefühl. Ein Abenteuer zu erleben und gemeinsam diese Angst zu überwinden, schafft eine außerordentlich starke Verbindung.«

Und nun ein Zitat von Stephen und Keith, die seit vielen Jahren zusammen sind und gemeinsam ein Bed & Breakfast betreiben: »Was kann ich tun damit ich in den Augen anderer etwas flexibler und sicherer erscheine? Wenn man etwas Kontrolle abgibt, erkennt man manchmal, das die Dinge genauso viel Spaß machen. Lassen Sie sich auch mal treiben, anstatt immer nur einem festen Weg zu folgen

Zweite Übung

Caroline: Die nächste Übung heißt: Tadaa!

Wir üben alle gemeinsam »Tadaa« zu sagen. Machen Sie schöne Jazzhände. Fertig und »tadaa«. Gut so, Aber das ist noch nicht laut genug. Fertig? Und »tadaa«.

Ich werde Ihnen nun von einer Begebenheit erzählen, bei der ich versagt habe. Das ist viele Jahre her, als ich an der Universität meine erste Vorlesung halten sollte, ich hatte schreckliche Angst. Ich war so nervös. Bevor ich anfing fiel mir erstmal alles aus den Händen. Meine Handflächen waren feucht und mein Gesicht lief rot an. Ich habe mich vertan, Wörter ausgelassen und alles durcheinandergebracht. Ich habe mich total blamiert. Ich habe versagt: »Tadaa!«

Nach einem Jahr sollten wir als zweite Zulassungsprüfung eine Wandpräsentation machen, um zu entscheiden, ob wir bleiben konnten. Wir mussten die Arbeit anfertigen und dann präsentieren. Ich war unsicher, da ich experimentelle Objekte geschaffen hatte, während andere eher konzeptuell gearbeitet hatten. Ich baute meine Arbeiten neben weiteren acht bis zehn Leuten auf. Jedes Mal, wenn ich sie irgendwo platzierte kam aber jemand und sagte: »Das geht nicht. Ich brauche diese Wand, ich habe ein Konzept, das genau hier an diese Wand muss.« Ich wechselte zum nächsten Platz und dann kam eine andere Person und sagte mir, dass sie diesen Platz wegen ihres Projektes brauchte. Aufgrund meiner Unsicherheit landete ich schließlich mit meinen Objekten auf der Fensterbank. Ich hatte die guten Plätze aufgegeben und war am Ende die Einzige, die diesen Test nach vier Jahren nicht bestanden hat. Ich hatte versagt. »Tadaa«

Das war eine kathartische Erfahrung. Zu Beginn der Vorlesungsreihe sage ich den Studierenden, dass sie dieses Semester scheitern werden. Sie fragen dann verwundert: »Warum?« Am Ende des Semesters tritt das dann tatsächlich ein. Ich frage dann: »Wer versagt hat, hebt die Hand.« Und sie heben alle stolz die Hand, weil sie dadurch etwas gelernt haben. 

Für diese Übung habe ich vier Post-it-Notizen:  

  • Man muss das Risiko eingehen, scheitern zu können
  • Wenn man Erfolg hat, hat man Erfolg. Wenn man scheitert, ist das ein Erfolg. Nur wenn man es nicht versucht, scheitert man.  
  • Das Selbstwertgefühl hängt davon ab wer man ist, nicht was man tut.  
  • Man kann dafür beurteilt werden, was man tut, aber nicht dafür, wer man ist.  

Lassen sie mich noch einmal zu unserem Buch zurückkehren: William und Mildred sind seit vielen Jahren verheiratet und haben ihren Sohn durch Krebs verloren. 

Das Zitat: »Widrigkeiten machen dich stärker«

Auch Pat und Tony sind seit vielen Jahren verheiratet – Tony war Vietnamveteran und litt unter einer schweren PTBS.

Das Zitat: »Du scheiterst. Wir haben beide versagt. Aber du gehst nicht weg.«

Christian wird nun einige Erkenntnisse aus diesen Übungen erörtern.  

Chistian: Sie werden hier eine Erfahrung machen und ich werde diese dann auf die Theorie zurückführen, denn es geht darum eine Aktivierung des Frontallappens zu erreichen. Erinnern wir uns daran, wie wir uns fühlen, wenn wir auf das Scheitern von jemandem mit einem Applaus reagieren – die Menschen, die für ihr Scheitern einen Applaus erhalten, fühlen sich tatsächlich gut. Die Amygdala erhält in dieser Situation die Botschaft »Entspann dich, es ist okay, wenn du versagst, denn es gibt Menschen, die dich trotzdem lieben.« Denn wir sind hier zusammen und wir wissen, dass jeder von uns eine Geschichte über das Scheitern erzählen kann. In der Folge gibt es eine Freisetzung von Oxytocin, wodurch unsere Resilienz gestärkt wird. 

Wenn wir aus dem Gleichgewicht geraten, empfinden wir das als tiefgreifende Belastung. Und wenn wir uns wieder fangen und stabil fühlen, haben wir den Moment hinter uns gelassen und fühlen uns wieder wohl. Aus dem Gleichgewicht zu geraten ist Stress, sich wieder zu fangen ist Selbstkorrektur durch Resilienz. Unsere Studierenden erzählen, dass sie die ganze Zeit das Gefühl haben, nicht im Gleichgewicht zu sein. Die meisten von uns, haben wahrscheinlich hin und wieder dieses Gefühl, aber es geht uns schnell wieder gut, während das bei den Studierenden nicht der Fall ist. 

Durch die Check-in-Runde können wir unserer anterioren cingulären Gyrus reinigen, der die Empathie erzeugt, die wir hier alle zum Ausdruck bringen. Wenn unser Kopf durch seelische und körperliche Schmerzen, Beziehungsprobleme belastet ist, sind wir auf uns selbst und unseren Stress fokussiert. Wenn wir diesen Stress nehmen und in einen Korb legen, können wir frei über unsere empathischen Fähigkeiten füreinander verfügen. Wir schaffen für diese Menschen hier eine Routine. Wir haben nun einen Korb, in den wir alls unseren Stress legen können. Wir kennen zwar nicht die Stärken der anderen, aber wir wissen, dass wir Stress haben und diesen gemeinsam durchstehen. Das stärkt die Resilienz. 

Shakespeare. Folgendes hat Shakespeare über Resilienz zu sagen. Das Zitat stammt aus dem 3. Akt, 3. Szene von Troilus und Cressida. Die Griechen befinden sich mit den Trojanern im Krieg. Im dritten Akt, dritte Szene kommt es zu einem Wendepunkt. Ulysses als Heerführer muss Achilles davon überzeugen, sein Bett zu verlassen und wieder ein Held zu sein, denn Achilles ist bereits ein Held, er wird zunehmend fett und faul und will nicht mehr kämpfen. Ulysses sagt daraufhin: »Hör zu mein Freund, vergiss das kurzzeitige Vergnügen. Wir brauchen dich an der Front als Inspiration für uns alle.«

Caroline:
»Beharrlichkeit, mein Fürst / Hält Ehr im Glanz; was man getan hat, hängt / Ganz aus der Mode, wie ein rostiger Harnisch / Als armes Monument, dem Spott verfallen / Verfolge ja den Pfad, der vor dir liegt /Denn Ehre wandelt in so engem Hohlweg / Daß einer Platz nur hat; drum bleib im Gleise / Denn tausend Söhne hat die Ruhmbegier / Und einer drängt den andern; gibst du Raum / Lenkst du zur Seit und weichst vom gradsten Weg / Gleich eingetretner Flut stürzt alles vor / Und läßt dich weit zurück / Oder du fällst, ein edles Roß, im Vorkampf / Und liegst als Damm für den verworfnen Troß /Zerstampft und überrannt. Was diese jetzt tun /Wird Größres, das du tatest, überragen / Denn Zeit ist wie ein Wirt nach heutger Mode /Der lau dem Gast die Hand drückt, wenn er scheidet / Doch ausgestreckten Arms, als wollt er fliegen / Umschlingt den, welcher eintritt / Stets lächelt Willkomm, Lebewohl geht seufzend /Nie hoffe Wert für das, was war, als Lohn/Denn Schönheit, Witz / Geburt, Verdienst im Kriege, Kraft der Sehnen/Geist, Freundschaft, Wohltat, alle sind sie Knechte / Der neidischen, verleumdungssüchtgen Zeit /Natur macht hierin alle Menschen gleich

Wir wollen diese Zeilen nun eingehend analysieren und darlegen, welchen Bezug sie zum thema Resilienz haben.   

Caroline: Beharrlichkeit, mein Fürst / Hält Ehr im Glanz

Christian: »Bleib bei dem, was du zu tun hast, Achilles, so fühlst du dich gut und behältst deinen guten Ruf.«

Was man getan hat, hängt / Ganz aus der Mode, wie ein rostiger Harnisch / Als armes Monument, dem Spott verfallen. 

Wenn du deine persönliche Entwicklung behinderst, verlierst du deine Fähigkeiten und bist irgendwann zu nichts mehr nutze. 

Verfolge ja den Pfad, der vor dir liegt / Denn Ehre wandelt in so engem Hohlweg

Tu was vor die liegt. Niemand kann es für dich tun. Deine Selbstachtung hängt davon ab, dass du tust wozu du berufen bist.

Daß einer Platz nur hat; drum bleib im Gleise / Denn tausend Söhne hat die Ruhmbegier 

Gib dein Bestes, denn wenn du es nicht tust, werden andere kommen und das tun, und sie sind wirklich wie Schafe nichts als Nachahmer. 

Und einer drängt den andern; gibst du Raum / Lenkst du zur Seit und weichst vom gradsten Weg 

Wenn du hier Kompromisse eingehst und dich auf deinen Lorbeeren ausruhst, werden dir andere zuvorkommen und den Ruhm ernten, während du ihn Vergessenheit gerätst.

Was diese jetzt tun / Wird Größeres, das du tatest, überragen, 

Dann wird das, was sie jetzt tun, auch wenn es schlechter ist als das was du früher getan hast, gut aussehen.    

Denn Zeit ist wie ein Wirt nach heutiger Mode / Der lau dem Gast die Hand drückt, wenn er scheidet / Doch ausgestreckten Arms, als wollt er fliegen / Umschlingt den, welcher eintritt 

Moden ändern sich. Du wirst schnell ausgesondert und jemand anders wird zum Liebling erkoren   

Stets lächelt Willkomm, Lebewohl geht seufzend 

Es mag sich gut anfühlen, sich nicht mehr anzustrengen, aber du wirst es bedauern.

Nie hoffe Wert für das, was war, als Lohn 

Schaue bei dem, was du Gutes tun musst, nicht auf Geld oder leeres Lob  

Denn Schönheit, Witz / Geburt, Verdienst im Kriege, Kraft der Sehnen / Geist, Freundschaft, Wohltat, alle sind sie Knechte / Der neidischen, verleumdungssüchtigen Zeit

Denn Dinge wie Schönheit, Reichtum, Gesundheit und alle unsere individuellen Privilegien werden verblassen  

Natur macht hierin alle Menschen gleich.

Ein wenig Freundlichkeit gegenüber anderen bringt uns einander näher. Beraube dich nicht deiner Zukunft, indem du im Jetzt schwelgst. 

Dritte Übung

Caroline: Diese Übung heißt Ooh, Neugier. 

Wir werden zwei Gruppen im Raum bilden. Die Gruppe Eins wird zuerst das Publikum sein. 

Gehen Sie durch den Raum und versuchen Sie, die Wahrnehmung auf alles zu richten, was sich darin befindet. Schauen Sie sich alle Gegenstände an, die Sie bislang noch nicht gesehen haben. Wenn Sie etwas entdecken, was Sie überraschend oder in irgendeiner Weise irritierend finden, gehen Sie darauf zu und rufen Sie ›Woo‹, während Sie einen kleinen Sprung vollführen. Schauen Sie sich das Objekt genau an. Nehmen Sie es in die Hand, berühren Sie es, erkunden Sie es.Welche Farbe hat es, wie ist seine Beschaffenheit. Halten Sie es an Ihre Haut. Wie fühlt sich das an? 

Zeigen Sie nun darauf und sagen »Wow, das ist das Lustigste was ich je gesehen habe.« Nachdem Sie diese Worte gesagt haben, brechen Sie in schallendes Gelächter aus. Sie können sich zur Bekräftigung auch auf die Oberschenkel schlagen und laut prusten – der Raum soll von so viel Lachen erfüllt sein wie möglich. 

Gruppe Zwei, Sie sind dran. Begegnen Sie allen Dingen in diesem Raum mit Neugier. Suchen Sie sich ein Objekt aus, das Ihnen ins Auge fällt. Dieses Mal soll es Ihnen jedoch Angst machen. Hüpfen Sie etwas zurück und sagen Sie: »Das ist wirklich unheimlich.« Dann rennen Sie so schnell es geht weg. Nähern Sie sich wieder langsam und schauen Sie, wie nahe Sie sich herantrauen. Sind Sie besonders mutig, können Sie es mit dem Finger oder dem Fuß berühren. 

 Die Post-it-Notizen dazu lauten wie folgt:

  1. Lachen ist die beste Medizin
  2. Das Leben ist wie eine Achterbahn.

Diesbezüglich gibt es in unserem Buch ein sehr gutes Zitat von Elizabeth und Peter, die seit vielen Jahren verheiratet sind: Elizabeth wuchs in einer Familie auf, in der sie Sprechverbot hatte, über Wünsche und Gefühle zu reden durfte sie schon gar nicht. 

Ich war von Angst erfüllt. Ich bin mit Angst aufgewachsen. Ich habe mich in mich selbst zurückgezogen. Gemeinsam haben wir das überwunden. Ich habe gelernt, zu vertrauen. Und nun kann ich alles sagen, weil ich sicher bin. 

Vierte Übung

Caroline: Diese letzte Übung heißt Mein Rhythmus. 

Alle bitte aufstehen. Beginnen Sie in Schlangenlinien zu gehen, zeichnen Sie im Gehen eine Kurve auf den Boden. Jetzt zu rechten Winkeln übergehen. Machen Sie sich so groß wie möglich im Raum. Und jetzt agieren Sie als winzigkleine Mäuschen. Kleine Flecken auf dem Boden. Jetzt haben wir ein Seil vor uns. Balancieren Sie auf diesem Seil mit ausgestreckten Armen. Wenn Sie jemanden anrempeln, tun Sie etwas. 

Ja, aber was ist richtig? Balancieren, da wir unweigerlich aufeinander treffen werden. Auf einem schmalen Grat wandeln.   

Als Nächstes werden wir einige schöne Formen auf dem Boden nachgehen und diese wiederholen. Ich gehe ein Dreieck und wiederhole es. Wählen Sie eine Form und beschreiben Sie sie gehend. Wiederholen Sie die Form überall, wo Sie hingehen. Diese Form beständig wiederholen. Wenn Sie jemanden anrempeln, gehen Sie weiter. Am Ende ist ein wunderschönes Mosaik auf dem Boden entstanden. 

Christian: Wir wollen an dieser Stelle die Theorie zu dem, was wir gerade getan haben erörtern. Sie haben vielleicht gemerkt, dass wir einige gestalterische Prinzipien in die Übung eingebaut haben. Sie haben sich mit Aspekten von Kontrast, Maßstab und Ausgewogenheit vertraut gemacht und dabei Ihre Komfortzone ausgebaut. Die Sache ist die im Leben: Man tut, was man tun muss und auch andere Leute tun, was sie tun müssen, d.h. man trifft aufeinander. Sie müssen sich bewegen, etwas tun. Aber der Sinn dieser Übung liegt im anterioren cingulären Gyrus, Empathie, wissen, dass Sie akzeptiert sind und tun, was Sie tun müssen, während Sie andere Leute tun lassen, was sie tun müssen.

Resilienz bedeutet Hindernisse und Ängste, aber auch Aufregung zu überwinden und dem Leben mit Neugier und der Bereitschaft zum Lachen zu begegnen. Dadurch wird Dopamin im Gehirn ausgeschüttet. Ich weiß, wir gehen häufig von der Aannahme aus, dass wir unser Dopamin durch Filme und Drogen erhalten, aber Neugier wird tatsächlich durch Dopamin gesteuert und sorgt für unseren Realitätsbezug.

Shakespeare ging es vor allem um eine langfristige Zufriedenheit und nicht um das kurzfristige Vergnügen.  

Caroline: Ich habe zwei Post-it-Notizen für die letzte Übung:  

  1. Struktur und Rhythmus sorgen für Stabilität im Leben  
  2. Sei der beste Mensch, der du sein kannst. 

Das Zitat aus unserem Buch in diesem Zusammenhang stammt von Bruce und Susan aus Simbabwe, die seit vielen Jahren verheiratet sind. Sie betreiben professionellen Standardtanz und nehmen immer noch an Wettbewerben teil. Wenn sie sich streiten, fordern sie sich gegenseitig auf, die Schritte des anderen zu tanzen. Wenn Bruce mit Susan in Streit gerät sagt er »tanze eine Weile meine Schritte«, während Susan umgekehrt zu ihm sagt »tanz du meine Schritte«, wenn sie sich mit ihm streitet. Auf diese Weise können sie die Sichtweise des anderen besser verstehen. 

Check-out: Es ist nun Zeit für den Check-out. Es ist wirklich wichtig den Check-in und Check-out durchzuführen.  

Wir haben viele Erfahrungen miteinander geteilt, daher möchte ich euch an dieser Stelle nicht nach einer Farbe fragen, sondern danach, welches Gartengerät Sie gerade sein möchten. Da ich ziemlich viel gegraben habe, nach Resilienz gegraben habe, möchte ich eine Schaufel oder ein Spaten sein. Möchte jemand uns sagen, welches Gartengerät er wählen würde?

 »Kirschpflücker – weil ich versuche alle diese Informationen zu sammeln, die zumindest für mich nützlich und produktiv sind«

»Manchmal eine Leiter – Menschen können zu mir hoch kommen und höher kommen als ich«

»Saatgutstreuer – da wir alle bereits etwas Gutes sehen können.«

»Ein Rechen – da ist eine Menge zusammengekommen, aber es gibt auch einige gute Dinge.«

»Ein Stuhl – ich kann mich hinsetzen und die Zigarren zählen.«

»Dünger – ich habe das Gefühl, hier geht es darum den Boden vorzubereiten, auf dem wir alle wachsen können.«

»Eine Schaukel – wir brauchen eine Schaukel zum Spaß haben und ja, auch zum Entspannen.«

Caroline: Nun zurück zu unserem Behältnis, das immer noch dort steht. Wir haben hier alle Belastungen gemeinsam durchstanden, sollen wir sie vielleicht alle dort in diesem Korb lassen? Lassen wir sie dort. Denn es ist eine ‚gemeinschaftliche Erfahrung‘. Und diesen Korb in einem Raum zu haben, den wir uns gerade geschaffen haben, bedeutet, dass wir nun Teil einer Gruppe sind. 

Wir alle wissen, dass wir Belastungen ausgesetzt sind. Wir wissen nicht was die Stressfaktoren der einzelnen Personen sind, aber wir haben sie alle an diesen Ort gelegt. Und weil wir hier Vertrauen aufgebaut haben, können wir unseren inneren Garten offenbaren und nicht nur eine Farbe. Wir fühlen uns nun zugehörig und wir haben das Ritual des Korbes, so dass wir diese Erfahrungen teilen können. Denn es ist einegemeinschaftliche Erfahrung‹, die uns dabei hilft, Resilienz aufzubauen.

(Aktualisiert am 20. November 2025)