Bildungsstiftung für wissenschaftliche Forschung & Lehre
WIRKUNGSMESSUNG
#Transparenz #Anpassungsfähigkeit #Dialog
Larry Corio
Director of Strategy & Special Projects,
Arizona State University, Los Angeles, USA
Der menschliche Aspekt
Eine Wirkungsanalyse in der universitären Designlehre kann tiefe Emotionen wecken und sogar unser Selbstverständnis erschüttern. Es ist kein neutrales Unterfangen – jede Entscheidung darüber, was gemessen werden soll, wer in den Prozess einbezogen werden soll und wie Erfolg definiert wird, spiegelt unsere grundlegenden Werte, Überzeugungen und Erfahrungen.
Eine persönliche Reise
Als Director of Impact Measurement bei IDEO habe ich einen unkonventionellen Weg eingeschlagen. Als ich vor fünf Jahren als Sozialwissenschaftler für eine Designfirma tätig wurde, betrachtete ich Design und Wirkungsanalyse noch als völlig getrennte Bereiche. Im Laufe der Zeit habe ich meine Sichtweise auf die Dinge von Grund auf verändert, wodurch sich die Möglichkeit eröffnet hat, streng wissenschaftliche Ansätze mit dynamischeren, formativen und menschenzentrierten Bewertungsmethoden zu ergänzen.
Die Problematik von Wirkungsmessungen
Stellen wir uns folgende Szene vor: Eine Gruppe von Lehrenden steht entlang einer imaginären Linie, die den Raum in zwei Hälften teilt. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die davon überzeugt sind, dass es bei der Wirkungsmessung in erster Linie um »Lernen« geht; auf der anderen Seite stehen diejenigen, die glauben, dass es dabei um „Bewertung“ geht. Diese räumliche Metapher verdeutlicht einen grundlegenden Konflikt in der Designlehre: das Verhältnis zwischen Lernen und Bewertung.
»Ohne Bewertung gibt es kein Lernen, denn wenn alles großartig ist, lernt man nichts« so das Argument eines Lehrenden. Ein anderer entgegnet »Man kann ohne Bewertung lernen, aber man kann niemals ohne Lernen bewerten.« Dieser Wortwechsel veranschaulicht die Wechselbeziehung zwischen Lernen und Bewertung, sie sind in einem Zyklus aufeinander bezogen, wodurch herkömmliche hierarchische Ansätze in Frage gestellt werden.
Eine Neuausrichtung der Leistungsermittlung in der Designlehre
Bewertungsmodelle in der Designausbildung sollten genauso dynamisch sein wie die Disziplin selbst. Das MIT Teaching Systems Lab veranschaulicht dieses Prinzip durch sein Spiel »MetaRubric«, bei dem sich Rubriken parallel mit dem Lernprozess entwickeln – was insbesondere im Innovationskontext von entscheidender Bedeutung ist.
Der Einfluss von Beziehungen
Anhand des Personalnetzwerkschemas einer Naturschutzorganisation wird deutlich, auf welche Weise Informationen und Einflussmöglichkeiten in den Beziehungen der Mitarbeitenden untereinander weitergegeben werden. Ein solches Mapping kann auch im Bildungsbereich angewendet werden, um den Erfolg von Studierenden zu prognostizieren – wobei diejenigen mit stärkeren sozialen Bindungen in der Regel bessere Ergebnisse erzielen. Ein etwas ungewöhnlicher Indikator in diesem Zusammenhang ist, dass Studierende, die sich wohl genug fühlen, um füreinander Spitznamen zu verwenden und sich High-Fives zu geben, allgemein in ihren Beziehungen zueinander stärker kooperieren.
Umgang mit Macht und kulturellen Dynamiken
Kulturelle Responsivität erfordert eine Auseinandersetzung mit Machtdynamiken und Voreingenommenheit bei der Leistungsbewertung. Mit dem Tool der New York Times »You Draw It« lässt sich veranschaulichen, wie wir Annahmen über Zusammenhänge zwischen Variablen wie Familieneinkommen und akademischem Erfolg offenlegen können. Anhand solcher Tools können Studierende ihre Vorurteile artikulieren und hinterfragen.
Den Prozess über das Ergebnis stellen
Wenn wir in der Designlehre dem Prozess Vorrang vor den Ergebnissen einräumen, dann müssen wir mit unseren Bewertungssystemen Veränderungen von Kultur und Verhalten beleuchten. Der »Lachdetektor«-Prototyp eines IDEO-Designers, der die Teamdynamik anhand der Häufigkeit und Intensität des Lachens von Mitarbeitenden ermittelt, zeigt, wie kreative Ansätze Indikatoren für die Teamkultur erfassen können.
Auf dem Weg zu einem neuen Rahmen
Die Wirkungsanalyse für die Designlehre erfordert für die Zukunft Modelle, die mehrere wesentliche Eigenschaften aufweisen. Ansätze zur Wirkungsmessung müssen an Veränderungen angepasst werden und gleichzeitig die Stärke der Beziehungen in Lerngemeinschaften wirksam erfassen. Sie sollten ein Bewusstsein für Machtverhältnisse und Vorurteile abbilden und dabei den Fokus auf einen Verhaltens- und Kulturwandel richten. Außerdem profitieren diese Verfahren davon, dass vielfältige Perspektiven und Fachkenntnisse aus verschiedenen Disziplinen einbezogen werden.
Der Ausgangspunkt dieser umfassenden Herangehensweise sollte eine Definition der Zielsetzung sein, bevor die Methode zur Datenerfassung bestimmt wird. Durch diese von hinten gedachte Analysestrategie wird eine Übereinstimmung zwischen Bildungszielen und Bewertungsansätzen sichergestellt. Wegweisend ist nicht etwa die Perfektionierung eines einzelnen Werkzeugs, sondern die Schaffung flexibler Systeme, die den dynamischen, kollaborativen und interdisziplinären Charakter des Fachbereichs widerspiegeln. Wie einer der Lehrenden im Rahmen unserer Diskussion angemerkt hat: »Es geht nicht darum, die perfekten Bewertungsfaktoren zu finden, sondern darum, Gespräche anzuregen, die ein zukunftsweisendes Lernen ermöglichen.«
Durch diesen ganzheitlichen Ansatz ist die Wirkungsanalyse nicht nur eine Diskussion über Bewertung und die entsprechenden Werkzeuge, sondern wird zu einem Katalysator für sinnvolles Lernen und Entwicklung in der Designlehre. Die Zukunft der Leistungsbewertung in diesem Bereich wird von unserer Fähigkeit abhängen, Systeme zu schaffen, die so innovativ und anpassungsfähig sind wie die Disziplin selbst.
(Aktualisiert am 20. November 2025)

