Fire Starters Design School (of Empowerment)

Vom 23. bis 25. Februar 2020 veranstaltete die iF Deisgn Foundation in Kooperation mit dem Greenside Design Center eines der vier Hearings zur „Zukunft der Designausbildung“ in Johannesburg, Südafrika. 26 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus elf Staaten diskutierten u.a. über das Verhältnis von Design zur Gemeinschaft.

Erarbeitet wurde in diesem Zusammenhang auch das Konzept der Fire Starters Design School (of Empowerment). Mit dabei die Designerin und Pädagogin Onica Lekuntwane aus Botswana, welche exklusiv für das Magazin der iF Design Foundation die Grundidee der Fire Starter Design School erläutert.

Onica Lekuntwane
Onica Lekuntwane

Feuer und Flamme:

Stärkung von Gemeinschaften durch integrative Ansätze in der Designausbildung

 

„Eine Nation ohne Vergangenheit ist eine verlorene Nation, und ein Volk ohne Vergangenheit ist ein Volk ohne Seele.“ Diese weisen Worte des ersten Präsidenten von Botswana, Sir Seretse Khama (1921-1980), klingen auch heute noch nach – 51 Jahre nachdem sie ausgesprochen wurden. Das liegt daran, dass sie sich nicht nur auf die Geschichte beziehen. Es geht auch um das Verständnis, dass das, was wir jetzt tun und das, was wir in Zukunft tun wollen, von dem geprägt ist, was vorher war.

Design und kreatives Denken sind keine neuen Konzepte, können aber, wenn sie richtig umgesetzt werden, überall auf der Welt positive Veränderungen auslösen. Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent ist Design nach wie vor ein überwiegend elitäres Konzept, das vor allem denjenigen zugänglich ist, die über ein gut gefülltes Portemonnaie verfügen und westliche Ideologien zu schätzen wissen. In Wirklichkeit aber sind kreative Problemlösungen ein tägliches Phänomen in unseren Gemeinschaften, das durch die Weisheit von Generationen an ‚informell ausgebildeten Designern‘ geprägt ist.

Dies ist die Motivation hinter der Fire Starters Design School (of Empowerment) – eine hybride Lernumgebung, die nicht nur verschiedene Lehrmethoden zusammenbringt, sondern bewusst indigenes Wissen und kulturelles Erbe miteinbezieht, um von der Gemeinschaft geleitete Lehr- und Lernerfahrungen zu fördern. Diese integrative Designschule erkennt an, dass Endverbraucher keine homogenen Konsument:innen sind, sondern Menschen, die emotional in den Prozess involviert sein möchten, um die Vorteile von Design (Thinking) zu nutzen. Damit dies erreicht werden kann, muss die Schule neuen Denkweisen offen gegenüberstehen, muss bereit sein, einige Brücken abzubrennen, um aus der Asche des kolonialisierten kreativen Denkens etwas Neues aufsteigen zu lassen.

Eine Schule dieser Art muss flexibel sein, um ihr Ziel der Selbstbestimmung wirklich zu erreichen. Dies bedeutet eine Überholung der konventionellen Klassenzimmerkultur sowie der unkritischen „Copy-and-Paste“-Kultur, die durch den Zugang zum World Wide Web möglich wurde. Es muss akzeptabel werden, dass Lehrende während des gesamten Gestaltungsprozesses leicht zum Lernenden werden können. Die Lehrperson müsste daher starke Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen und Belastbarkeit besitzen und sich verantwortungsvoll verhalten, da sie die Idee eines von der Gemeinschaft geleiteten Ansatzes zur Problemlösung vertritt.

Dieser Ansatz erfordert auch, verschiedene Arten von Studierenden aus allen Lebensbereichen zu berücksichtigen, die eine Fülle von implizitem indigenem Wissen mitbringen. Dieses muss mit explizitem Wissen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Studioumgebung verschmolzen werden, um wirklich inklusiv zu sein. Dazu gehört auch die Erforschung der Möglichkeiten, die Konzepte wie Neurodiversität mit sich bringen: Wenn Studierende anders denken, wie können wir sie miteinbeziehen, anstatt für sie das Denken zu übernehmen?

Konzeptentwurf der Fire Starter Design School

Die Annahme dieses lösungsbasierten Ansatzes, bei dem die Studierenden aufgefordert werden, dass für die jeweilige Aufgabe bestmöglich geeignete Design/Produkt für den Nutzer zu entwickeln, wird letztendlich zu Veränderungen bei den herkömmlichen Bewertungsmethoden führen. Student:innen werden daher nicht auf der Basis des fertigen Produkts, sondern auf der Basis des von ihnen gewählten Systems oder Prozesses bewertet. Es geht um Kollaboration. Gemeinsam sollen „Anzünder“ entwickelt werden, deren Design sowohl optimal auf die Bedürfnisse der Nutzer:innen abgestellt ist, als auch die Verfügbarkeit von Materialen sowie umweltbezogene Herausforderungen berücksichtigt. Es geht nicht darum, wie gut man ein „afrikanisches“ Design bei der Gestaltung einer Streichholzschachtel anwendet. Um solche Ansätze objektiv zu bewerten, bedarf es einer Wertschätzung für einen inklusiven Ansatz der Fire Starters Design School. Dieser Ansatz fördert einen organischen, menschenzentrierten Prozess, der dazu motiviert, kritisch zu denken, Neues zu entwerfen und kollaborativ zusammenzuarbeiten.

Als Designer:innen und Lehrer:innen müssen wir die Verantwortung dafür übernehmen, dass Design zur Seele spricht, indem es lokale Identitäten und Kontexte miteinbezieht. Es muss zuerst den lokalen Gemeinschaften dienen, bevor es allgegenwärtig wird und sich wie ein Lauffeuer verbreitet, das vom Rest der Welt geschätzt wird (und dieser es sich aneignet).